AntiAtom-Bündnis Niederrhein auf der Uran-Transport Konferenz in Münster vertreten

Das AntiAtom-Bündnis hat an der Uran-Transport-Konferenz am 28 und 29. November in Münster und an den Kundgebungen vor der Urananreicherungsanlage in Gronau und der Brennelemente-Fabrik in Lingen teilgenommen.

Die Konferenz, bei der auch Aktivist*Innen aus Russland, Frankreich und den Niederlanden vertreten waren, hat die Transportkette vom Abbau des Urans bis zur Brennelemente-Fertigung beleuchtet und war ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Vernetzung der Anti-Atom-Bewegung.

Solange in Gronau Uran angereichert wird und solange in Lingen Brennelemente produziert werden, ist Deutschland ein Atomstaat.

Der angebliche Atomausstieg in der Bundesrepublik Deutschland ist und bleibt Augenwischerei. Da sich dieser „Ausstieg“ einzig darauf konzentriert, hierzulande ein paar Kundgebung vor der Urenco in Gronau, 30.11.2014Atomkraftwerke abzuschalten, kann von einem echten Ausstieg nicht die Rede sein. Solange in Gronau Uran angereichert wird und solange in Lingen Brennelemente produziert werden, ist Deutschland ein Atomstaat. Die Anlagen in Gronau und Lingen sind Garanten dafür, dass der atomare Irrsinn weiterläuft und zwar weltweit. Und eben diese beiden Anlagen sind ausdrücklich vom Atomausstieg ausgenommen – die Genehmigungen sind unbefristet.

Über die Schäden für Mensch und Umwelt und damit über die Verantwortungslosigkeit der Atomindustrie und der ihr hörigen Politik ist schon genug gesagt worden. Über die unlösbare Frage „Wohin mit dem Atommüll?“ ist ebenfalls schon genug debattiert worden. Es gibt nirgendwo auf der Welt einen Ort, an dem sich Atommüll sicher entsorgen ließe. Und es wird ihn nie geben. Aber bei der Anreicherung von Uran und der Fertigung von Brennelementen wird fleißig daran gearbeitet, den Atommüllberg weiter anwachsen zu lassen. Zudem ist der Abbau von Uran (in Kasachstan, dem Niger, Australien, Kanada, USA und in weiteren Staaten dieser Erde), die Weiterverarbeitung, die Anreicherung und nicht zuletzt die Brennelemente-Fertigung mit zahllosen Transporten verbunden, sodass sich die Risiken nicht allein auf die Abbaugebiete und die Umgebung der Anlagen, in denen das Uran verarbeitet wird, beschränken. Vielmehr sind große Teile der Bevölkerung unmittelbar betroffen – und das weltweit.

Die Anti-Atom-Bewegung vernetzt sich immer  stärker international

Aktivist*Innen von Greenpeace Russland, der dortigen Umweltschutzorganisation Ecodefense, aus Frankreich und den Niederlanden haben auf der Konferenz in Münster anschaulich die jeweilige Situation und die Probleme vor Ort dargestellt. Von Transparent "Alle Urantransporte stoppen", Kundgebung vor der Urenco in Gronau, 30.11.2014Vertreter*Innen verschiedener deutscher Initiativen wurden die Transportstrecken detailliert beschrieben. Ob es nun der Hamburger Hafen als Drehkreuz der Urantransport-Kette ist, oder die Straßen- und Bahnverbindungen kreuz und quer durch die Republik: Es wurde einmal mehr deutlich, dass Millionen von Menschen von diesen Risiken unmittelbar betroffen sind.

Auf der Konferenz wurden zum einen Strategien entwickelt, wie konkret vor Ort gegen diesen Irrsinn vorgegangen werden kann. Zum anderen wurden Vorgehensweisen diskutiert, wie der Kampf um die Stilllegung der Atomanlagen weltweit vorangetrieben werden kann. Denn eins ist klar: Atomausstieg ist keine regionale oder nationale Veranstaltung, sondern kann nur international erreicht werden. Da sich die Atomindustrie, wie in Münster deutlich wurde, internationalisiert hat, muss sich auch die Anti-Atom-Bewegung international vernetzen.

Die Konferenz in Münster war in diesem Sinne überaus erfolgreich.

Am Abschlusstag, Sonntag, den 30. November besuchten die Konferenzteilnehmer*Innen gemeinsam die Anlagen in Gronau und Lingen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Und hier im Wortlaut die Resolution, die alle gemeinsam in Münster beschlossen haben:

Geheime Urantransporte quer durch Europa – Lebensader der Atomindustrie

Auf der Urankonferenz berieten die TeilnehmerInnen intensiv über die erheblichen Gefahren der zumeist streng geheimen Urantransporte. Sie verfolgten die Spur der Urantransporte vom Uranabbau in Kasachstan und Usbekistan via Russland über die Ostsee und durch den Nord-Ostsee-Kanal zur zentralen Urantransport-Drehscheibe im Hamburger Hafen. Von dort rollt das Uranerzkonzentrat per Bahn durch Niedersachsen, Bremen, NRW und die Mosel-/Saar-Region zur Uranverarbeitung in Narbonne-Malvési und Pierrelatte in Südfrankreich. Als Uranhexafluorid gelangt es später zur Urananreicherung nach Gronau oder in die niederländische UAA Almelo. Der nächste Schritt ist die Areva-Brennelementefertigung in Lingen, bevor die Endprodukte oftmals erneut über den Hamburger Hafen, aber auch über Rotterdam in alle Welt verschickt werden.

Die Konferenz verurteilt, dass Frankreich, Deutschland, Russland und die Niederlande weiterhin in vielfältiger Weise eine Zukunft der Atomindustrie ermöglichen. Das ist nicht akzeptabel. Die AtomkraftgegnerInnen fordern zudem von den deutschen Landesregierungen ein konsequentes Einschreiten gegen die wachsende Zahl von Urantransporten, die zahllose Menschen gefährden. Insbesondere die Landesregierungen in Hamburg, Niedersachsen und NRW wurden für ihre Untätigkeit kritisiert. Auch die betroffenen Kommunen wurden aufgefordert, sich aktiv für einen Stopp der geheimen Urantransporte einzusetzen.

Die Konferenz begrüßt die zahlreiche Proteste gegen Urantransporte in diesem Jahr, darunter das Sommercamp in Kiel sowie mehrstündige Blockaden von Urantransporten in Hamburg und der Brennelementefabrik in Lingen. Weitere Proteste fanden u. a. in Gronau, Osnabrück, Münster, Köln, Bonn und Trier statt.

Uranmüllberge wachsen weltweit – kein Endlos-Uranmülllager in Gronau

Zudem kritisierten die TeilnehmerInnen, dass es für den weltweit anfallenden Uranmüll – wie für jeden anderen Atommüll – keine sichere Entsorgung gibt. Schon in den Uranabbauländern fällt massenhaft Uranmüll an. In Gronau soll nun in 2015 ein neues großes Uranmülllager für 60 000 Tonnen Uranoxid in Betrieb gehen – zeitlich unbefristet! Die TeilnehmerInnen lehnen die Inbetriebnahme dieser Endlos-Uranmülllagerung in Gronau ab.

Der geplante Verkauf des Urananreicherers Urenco auf dem Weltmarkt ist unverantwortbar, weil die Urananreicherung der einfachste Weg zur Atombombe ist. Nur die sofortige Beendigung der Urananreicherung ist akzeptabel.

Gronauer Uranmüll in Russland: Russische Umweltschützerin kündigt neue Strafanzeige an

Bis 2009 gelangten aus Gronau rund 27 000 Tonnen Uranmüll nach Russland. Dieser Uranmüllexport war illegal, 2006 stellten russische UmweltschützerInnen Strafanzeige gegen den Gronauer Urananreicherer Urenco. Doch erst vor wenigen Wochen erkannte die Bundesregierung zögerlich an, dass es sich tatsächlich um Atommüll handelt und nicht um „Wertstoff“, wie von Urenco behauptet. Bislang lehnt die Bundesregierung jede Verantwortung für den deutschen Atommüll in Russland ab. Eine russische Umweltschützerin aus Ekaterinburg kündigte nun in Münster an, den illegalen Atommüllexport von Gronau nach Russland von der Münsteraner Staatsanwaltschaft erneut überprüfen zu lassen.

Die TeilnehmerInnen verurteilten zudem scharf die Versuche der russischen Regierung, russische Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen wie Ecodefense durch repressive Gesetze zu „ausländischen Agenten“ zu erklären. Ecodefense droht momentan die Zwangsauflösung. Die Konferenz forderte deshalb nachdrücklich, die sehr engagierte Arbeit der Nichtregierungsorganisationen zu respektieren und zu schützen. Die Konferenz ruft zur Solidarität mit Ecodefense auf.

Heute (30.11.2014) Protestaktionen in Gronau und Lingen:
Uranreicherungsanlage Gronau und Brennelementefabrik Lingen sofort stilllegen!

Das Urantransportetreffen geht am heutigen Sonntag, 30. November, um 10 Uhr mit einer Protestaktion vor der Urananreicherungsanlage Gronau sowie um 12.15 Uhr mit einer Kundgebung vor der Brennelementefabrik in Lingen zu Ende. Auf der Kundgebung in Lingen wird sich eine Vertreterin der französischen Anti-Atom-Dachorganisation Réseau „Sortir du nucléaire“ für die sofortige Stilllegung der Areva-Brennelementefabrik aussprechen. Der französische Atomkonzern Areva hat momentan erhebliche Finanzprobleme und die Uranfabrik in Lingen musste aufgrund von schweren technischen Problemen vor einigen Wochen zumindest teilweise heruntergefahren werden.

Die AtomkraftgegnerInnen kündigten weitere gemeinsame Proteste gegen Urantransporte und die Uranindustrie an.

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