Atomstaat „made in Gronau“: Polizei räumt Blockade vor der Urananreicherungsanlage

Übernommen vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, SOFA Münster:

Die Blockade der Urananreicherungsanlage in Gronau hat viel Staub aufgewirbelt und die Urenco gezwungen, ihr offiziell immer freundliches Gesicht fallen zu lassen. Schön war die Auskunft der Polizei: Die Blockade habe geräumt werden müssen, weil sie die  Betriebsabläufe in der UAA zu sehr gestört habe …

Unten findet ihr dazu die Abschlusserklärung der Aktivist_innen vor Ort sowie nochmals den Spendenaufruf. Im Laufe des Abends sind gestern alle wieder freigelassen worden und zunächst mal wohl auf. Die juristischen Folgen werden nun beraten. An dieser Stelle auch ein herzliches Dankeschön für die Unterstützung und Solidarität, die es vor Ort gab!

Eins ist klar: Der Widerstand gegen die Urananreicherung in Gronau und die  Brennelementefertigung in Lingen wird weitergehen. Es ist zwar schön, dass NRW-Umweltminister die Stilllegung der UAA fordert und mit Blick auf den Beschluss der Landesumweltminister von einer „Beschlusslage höchster politischer Gremien“ spricht – und sich Niedersachsens Umweltminister Wenzel dem für Lingen anschließt. Doch nun müssen von der Atomaufsicht in NRW und Niedersachsen sowie der Bundesregierung konkrete Stilllegungstaten folgen, damit das nicht eine knackige, aber völlig folgenlose Sommer-Sprechblase bleibt!

Vier neue Protesttermine stehen schon fest:

Am 26. Juli wird Udo Lindenberg Ehrenbürger von Gronau – aus dem Anlass gibt es vor Ort eine Anti-UAA-Mahnwache. Lindenberg hat sich schon früher mit dem
UAA-Protest solidarisiert. Das ist ziemlich medienwirksam. Nähere Infos beim AKU
Gronau (uaanee@web.de).
Am 7. August findet dann um 14 Uhr der nächste Sonntagsspaziergang an der UAA
Gronau statt.

Am 29. Oktober findet in Lingen eine überregionale Demo gegen die Brennelementefabrik und das AKW Lingen sowie die Urananreicherung statt, die von
einem überregionalen Trägerkreis getragen wird. Dazu beginnt jetzt eine größere
Mobilisierung – mehr Infos folgen bald. Aber tragt euch den Termin bitte
schon mal ein.

Und am 10. September findet in Aachen die nächste Landeskonferenz der
Anti-Atom-Inis in NRW und Umgebung statt.

Spendenaufruf:
Anwälte, Klagen und konfisziertes Material kosten leider Geld. Deshalb sind
Spenden für die Aktion sehr willkommen – herzlichen Dank im Voraus!
Das Spendenkonto: Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, IBAN
DE28401646180357730701,
Volksbank Ochtrup, Stichwort „Gronau“

 

Erklärung der Aktivist_innen aus Gronau:
Atomstaat „made in Gronau“
Polizei räumt Blockade vor der Urananreicherungsanlage

Zahlreiche Atomkraftgegner*Innen blockierten seit Montag früh, 11.07.2016 (05:00
Uhr), in Gronau beide Zufahrten zur Urananreicherungsanlage der Firma Urenco.
Bereits gestern wurden Demonstrant*innen unter Missachtung von Art. 8
Grundgesetz rechtswidrig in Gewahrsam genommen und bis zu 14 Stunden
festgehalten. Dabei gefährdete das Eingreifen der Polizei teilweise die
Sicherheit der Protestierenden. Als in der Abenddämmerung eine Person unter
einem Tripod (Dreibeinkonstruktion aus Holz) aus der bestehenden Versammlung
ohne jegliche Angabe zur Rechtsgrundlage verhaftet wurde, gefährdeten die
Polizeibeamten eine Kletterin und warfen beinahe das Gestell um. Auf die empörte
Reaktion von umstehenden Demonstrant*innen erklärten sie, die Rechtmässigkeit
der Polizeimaßnahmen sei ihnen egal.

Am Dienstagnachmittag gegen 17 Uhr begann dann unter großem Polizeiaufgebot die
Räumung der Blockade. Dabei wurden alle vor Ort befindlichen Personen, die die
Polizei der Versammlung zuordnete, in Gewahrsam genommen und zu den
Polizeiwachen nach Ahaus und Gronau verbracht.

„Dieses Vorgehen zeigt, dass es hier um eine einseitige Berichterstattung geht.
Bilder, die der von Staat und Sicherheitskräften gewünschten Darstellungen
widersprechen, werden bewusst verhindert“, so eine Aktivistin vor Ort, „Kritik
an der Anlage bleibt unerwünscht; Protest wird diffamiert. Atomkraft ist schon
lange nur noch mit Rückgriff auf die Polizei gegen die Bevölkerung durchsetzbar.
Heute hat die Urenco ihr hässliches Gesicht gezeigt und auf den Polizeistaat
zurück gegriffen, um die Urananreicherung zu ermöglichen. Wir werden uns jedoch
nicht einschüchtern lassen und uns weiter gegen Urenco, Urananreicherung und
Atomkraft zur Wehr setzen“.

Auch ein Pressevertreter wurde zeitweilig festgesetzt und am Fotografieren der
Räumung gehindert.

Atomfreie Grüße nach zwei spannenden Tagen
Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, SOFA Münster
(www.sofa-ms.de, www.urantransport.de)

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