Belieferung für belgische und französische Pannen-AKW stoppen

Urananreicherung und Brennelementefertigung beenden

In einem gemeinsamen Offenen Brief fordern Umweltverbände und Anti-Atomkraft-Initiativen die Bundesregierung sowie die Länder Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf, die Lieferungen von angereichertem Uran aus der  Urananreicherungsanlage Gronau sowie von Brennelementen aus Lingen an die belgischen und französischen Pannenreaktoren in Tihange, Doel, Fessenheim und Cattenom einzustellen. Desweiteren appellieren sie an die drei Regierungen, keine neuen Export- und Transportgenehmigungen für angereichertes Uran und Brennelemente
mehr zu erteilen und sowohl die Urananreicherungsanlage in Gronau wie auch die Brennelementefertigung in Lingen umgehend stillzulegen.

In dem Offenen Brief kritisieren die Verbände und die Anti-Atomkraft-Initiativen, dass Bund und Länder zwar den Betrieb der heftig umstrittenen Atomreaktoren in Belgien und Frankreich zu Recht bemängeln, gleichzeitig aber nichts dagegen unternehmen, dass diese
Atomkraftwerke von Deutschland aus mit Uranbrennstoff versorgt werden. Durch die Lieferungen von angereichertem Uran und Brennelementen sind die Bundesregierung und die beiden Landesregierungen tief in den Betrieb der Atomkraftwerke in den Nachbarländern verstrickt und damit auch mitverantwortlich für eventuelle Störfälle dort.

Lingen und Gronau dürfen zeitlich unbefristet produzieren

Zum Hintergrund: Die Brennelementefabrik Lingen (Areva) beliefert u. a. die AKW Doel 1 und 2 bei Antwerpen sowie die AKW Fessenheim 1 und Cattenom 1 mit Brennelementen. Die Urananreicherungsanlage Gronau beliefert zum einen die Brennelementefabrik in Lingen, zum anderen u. a. die beiden Westhinghouse-Uranfabriken in Columbia (USA) und Springfields (GB). Diese wiederum beliefern direkt und via Spanien u. a. die AKW Tihange 2 und 3 sowie Doel 4 mit Brennelementen. Sowohl die Brennelementefabrik in Lingen als auch die Urananreicherungsanlage in Gronau sind bislang vom Atomausstieg komplett ausgenommen und dürfen zeitlich unbefristet weiter für den Weltmarkt produzieren.

Die Europavorsitzende der IPPNW (InternationaleÄrzte zur Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung), Dr. Angelika Claußen, erklärte dazu: „Fünf Jahre nach dem Beginn der Reaktorkatastrophe von Fukushima zeigen die gravierenden Vorfälle in den Pannenreaktoren von Tihange und Doel sowie von Fessenheim und Cattenom, dass ein Atomausstieg auf europäischer Ebene überfällig ist. Bundesregierung und Landesregierungen müssen jetzt mit einem Exportstopp für die Urananreicherungsanlage in Gronau und für die Brennelementefabrik in Lingen reagieren: Nur so werden die Entscheidungsträger in Belgien und Frankreich verstehen, dass sie aufhören müssen, das Leben und die Gesundheit von Millionen von Europäern mit ihrer fahrlässigen Atompolitik zu gefährden.“

Kerstin Rudek von der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg legte dar: „Wir sind mit belgischen und französischen Anti-Atomkraft-Initiativen gut vernetzt. Unsere Proteste gehen weiter, in Antwerpen, in Gronau und in Lingen. Neben dem Exportstopp für die Atomfabriken in Gronau und Lingen erwarten wir, dass die Bundesregierung auch die acht verbliebenen Atommeiler in der Bundesrepublik Deutschland umgehend vom Netz nimmt – der Atomausstieg darf nicht auf die lange Bank geschoben werden!“

Die Verbände und die Anti-Atomkraft-Initiativen rufen für Karfreitag, 25. März 2016, zur Teilnahme am überregionalen Ostermarsch vor der Urananreicherungsanlage Gronau auf, dem diesjährigen Auftakt der Ostermärsche in NRW.

Den Offenen Brief an die Minister Hendricks, Gabriel (Bund), Duin,
Remmel (NRW) und Wenzel (Niedersachsen) findet ihr unter:

https://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/Brief_Bund_Land_Gronau_Lingen.pdf

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