Bericht von der Landeskonferenz der Anti-Atom-Initiativen NRW in Aachen

LaKo Aachen 10. September 2016 , Foto©Helge Bauer

LaKo Aachen 10. September 2016 , Foto©Helge Bauer

Am 10. September 2016 nahmen Vertreter*innen des AntiAtom-Bündnis Niederrhein an der Anti-Atom-Landeskonferenz (Lako) in Aachen teil. Im Welthaus An der Schanz haben sich rd. 40 Atomkraftgegner*innen getroffen, die stellvertretend für 23 Gruppen aus NRW, den Niederlanden und Belgien aktuelle Themen diskutierten und die nächsten Aktionen planten. Besonders hervorheben möchte ich, dass mit der Teilnahme von Aktivist*innen aus Belgien und den Niederlanden die wichtige grenzüberschreitende internationale Zusammenarbeit intensiviert wird.

Ruth Kalf, Mitglied der belgischen Bürgerinitiative noT2D3.be, berichtete, dass die BI gerade eine Bürgerklage gegen Tihange 2 und Doel 3 vorbereitet. Bereits im Dezember 2015 wurde eine Verbandsklage eingereicht, aber als nicht begründet abgewiesen wurde. Jetzt wird ein zweiter Versuch mit Privatklägern gestartet und dafür werden weitere Unterstützer*innen und Spender*innen gesucht. Mehr Infos und eine ausführliche Darstellung auf www.noT2D3.be

Aus den Niederlanden war Rob Hoenen, Mitglied der Milieu front Eijsden angereist und schilderte die dortige Situation. Die Schließung von Borssele, dem einzigen holländischen AKW, wird aus Kostengründen verschoben. Die Regierung weigert sich auch, die Schließung von Doel zu fordern, die Parteien tun ebenfalls nichts. Auch die Provinzregierung Limburg weigert sich, nur die Gemeinden der Provinz engagieren sich. „Die Bevölkerung hängt inzwischen immer mehr STOP TIHANGE-Plakate auf. Der Ort Eijsden ist Gelb,“ fasst Rob Hoenen kurz und klar zusammen.

Zentrale inhaltliche Punkte der LaKo waren die bevorstehende Demo „Atomkraft jetzt den Saft abdrehen – Uranfabriken schließen“ am 29.10. in Lingen, und die Verhinderung der bevorstehenden Castortransporte von Jülich nach Ahaus oder in die USA.
In Niedersachsen hat sich die Atomindustrie im Emsland breit gemacht. Gleich vier Atomanlagen in Lingen stehen exemplarisch für verschiedene Gefahren in der nuklearen Kette:

  • Mit der Brennelementefabrik mutet die Firma AREVA der Bevölkerung in der Region Störfälle und gefährliche Atomtransporte zu.
  • Das fast 30 Jahre alte AKW Emsland soll trotz wiederholter Störfälle noch bis Ende 2022 weiter laufen, wobei es schon jetzt ein unzumutbares Risiko darstellt. Nicht ohne Grund werden in dessen Umkreis Jodtabletten auf niederländischer und deutscher Seite verteilt. Aber veraltete Katastrophenschutzpläne und fehlende  Evakuierungspläne lassen befürchten, dass die Bevölkerung bei einer nuklearen Katastrophe der radioaktiven Verseuchung schutzlos ausgeliefert sein wird.
  • Die Castor-Atommüllhalle neben dem AKW Emsland macht Lingen zu einem weiteren Atommüllstandort in Niedersachsen, neben den schon vorhandenen oder geplanten Standorten Asse, Gorleben und Schacht Konrad.banner_lingen-demo-200x200
  • Am ständig wachsenden hochradioaktiven Müll und dem äußerst schwierigen Rückbau des AKW Lingen 1 zeigt sich, wie sehr die nuklearen Hinterlassenschaften unsere Zukunft und die nachfolgender Generationen belasten.

Sowohl die Brennelementefabrik in Lingen (Niedersachsen) als auch die Urananreicherungsanlage in Gronau (NRW) verfügen weiterhin über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Beide Uranfabriken versorgen u. a. die maroden Meiler in Tihange, Doel, Fessenheim und Cattenom. Auf der LaKo wurde über diese Hintergründe informiert und die Organisation und Mobilisierung für die anstehende große Demonstration in Lingen besprochen.

Ein weiteres Thema waren die drohenden Castortransporte von Jülich nach Ahaus. Im „Sommerloch“ hat das Bundesamt für Strahlenschutz eine Einlagerungsgenehmigung für das Ahauser Zwischenlager erteilt. Die Stadt Ahaus will gegen diese Genehmigung klagen, der Transport der 152 Castorbehälter von Jülich ins Zwischenlager Ahaus ist aber derzeit die wahrscheinlichste Variante. Die anderen beiden Optionen – Neubau eines Zwischenlagers in Jülich und Export in die USA – stehen aber weiterhin zur Debatte.
Die USA-Option ist derzeit unwahrscheinlicher geworden, aber noch längst nicht endgültig vom Tisch! Weitere Demos und Mahnwachen gegen diesen Atommüll-Tourismus sind bereits in Planung. Eine Resolution zum Thema gibt es hier.

Die Volksküche Nordeifel sorgte wie schon so oft für hervorragende Verpflegung.

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