Castortransporte vor unserer Haustür

Zur Erinnerung: in Jülich – mal wieder Jülich! – stehen seit Jahrzehnten 152 Castoren aus dem havarierten Versuchsreaktor herum. Die Genehmigung zur Lagerung in einer Halle des Forschungszentrums Jülich ist bereits 2013 ausgelaufen und eine Fortsetzung der Lagerung seitdem nur mit ministerieller Sonderanordnung möglich. Wir übertreiben nicht, wenn wir in diesem Zusammenhang von einer illegalen Atommüllkippe sprechen. Dies ist auch den Verantwortlichen bewußt und die versuchen nun seit mittelerweile drei Jahren, eine Lösung für ihr Dilemma zu finden. Da tauchen dann die abenteuerlichsten Ideen auf: Mal will man den Atommüll in die USA exportieren, mal will man das ganze Zeug in das Zwischenlager Ahaus abschieben. Eine dritte Idee, nämlich in Jülich ein neues Zwischenlager zu bauen, welches vielleicht ein paar Jahrzehnte hält, will man nicht wirklich anpacken. Das allerdings wäre die sinnvollste Idee, weil dann der Atommüll nicht noch ein paar Jahrzehnte spazieren gefahren wird.

Haken und Gesetzeslücken

Die Idee mit den USA hat aber folgenden Haken: Ein Export von Atommüll ist laut Atomgesetz ausdrücklich untersagt, er wäre schlicht illegal. Also geht man hin und erklärt den Atommüll, der aus einem kommerziellen Reaktor stammt – da wurde Geld verdient – kurzerhand zu Atommüll aus einem Forschungsreaktor. Das ist Etikettenschwindel und dient dazu, eine Gesetzeslücke auszunutzen. Diese Gesetzeslücke erlaubt nämlich einen Export von Atommüll aus Forschungsreaktoren. Der kleine Unterschied ist aber, dass der Jülicher Reaktor eben ein Versuchs- und kein Forschungsreaktor war. Das ist aber nicht nur eine Frage, wie man so ein Ding nennt, sondern vor allem eine Frage, welcher Müll jeweils entsteht. Das Jülicher Zeug ist hochgefährlich und es handelt sich um Unmengen (genau: nahezu 300.000 tennisballgroße und brennbare Graphitkugeln). Forschungsmüll ist zwar auch gefährlich, aber es handelt sich um kleinste Mengen. Hier will man uns für dumm verkaufen.

Eine zweite, aber nicht minder wichtige Sache ist die, dass der Müll in eine US-amerikanische Atomanlage transportiert werden soll (Savannah River Site), die der militärischen Kontrolle unterliegt und deshalb losgelöst von allen zivilen Umweltstandards betrieben wird. Dementsprechend desolat ist der Zustand. Gemessen an unseren ohnehin viel zu geringen Sicherheitsstandards ist diese Anlage in den USA ein rostiges und verdrecktes Atomklo.

Das AntiAtom-Bündnis arbeitet seit mehr als drei Jahren an dieser Sache und hat sich mit mehreren Intiativen dies- und jenseits des Atlantiks vernetzt und macht ordentlich Druck. Bislang ist es gelungen, einen Abtransport des Atommülls aus Jülich zu verhindern und damit auch zu verhindern, dass die besagten 152 Castoren an Duisburg vorbei transportiert werden. Weil der Atommüll ja irgenwo über den Rhein muss – egal ob es nach Ahaus geht oder an einen deutschen Hochseehafen – ist es mehr als wahrscheinlich, dass die Transporte über unsere Rheinbrücken laufen.

Entwicklungen der letzten Tage

In den letzten Tagen ist nun in diese Sache reichlich Bewegung gekommen. Zum einen wurde am 26. Juli in den USA eine wegweisende Entscheidung gefällt, derzufolge eine Annahme des deutschen Atommülls abgelehnt werden soll. Wir freuen uns über diesen Erfolg gemeinsam mit unseren amerikanischen Freunden von der Antiatom-Organisaton Savannah River Site Watch, allen voran deren Sprecher, Tom Clements, der uns schon mehrfach besucht hat.

Und weil man den Braten auf deutscher Seite schon gerochen hat, kam es ebenfalls in der letzten Woche dazu, dass man die Genehmigung zur Einlagerung des Jülicher Atommülls in das Zwischenlager Ahaus erteilt hat. (s. auch Meldung der BI ‚Kein Atommüll in Ahaus e.V.‘)

Das allerdings unterstreicht die Not, die die Jülicher Verantwortlichen mit der ganzen Chose haben. Das Zwischenlager Ahaus ist nämlich nicht ausreichend gegen Terrorangriffe gesichert. Deshalb hat man schon vor längerer Zeit angeordnet, dass um dieses Lager eine Mauer gebaut werden muss, um Angriffe mit rollenden Bomben oder Panzerfäusten oder was auch immer abwehren zu können. Eine solche Mauer ist aber noch nicht gebaut: Also ist das Lager nach wie vor unsicher, aber eine Genehmigung wird trotzdem schon mal erteilt.

Was wollen die Verantwortlichen eigentlich?

Sichere Lagerung geht sowieso nicht. Eine möglichst risikoarme Lagerung sollte also das Gebot der Stunde sein. Und dann geht man hin und erklärt kurzerhand, dass man trotz der amtlichen Sicherheitsbedenken das Lager in Ahaus mit 152 Castoren voll stellen will. Und weil man das Ganze auch noch möglichst unbemerkt von der Öffentlichkeit durchboxen will, nutzt man mal eben das Sommerloch in der Hoffnung, dass die Öffentlichkeit es nicht mitbekommt.

Es ist wohl an der Zeit einzuräumen, dass man in Jülich kein Konzept hat, wie mit dem Müll unzugehen ist.

Wir hätten da eine Idee: Baut gefälligst in Jülich ein neues Zwischenlager, stellt eure Castoren da rein und macht euch mal ein paar vernüftige Gedanken. Vor allem aber fahrt euren Atommüll nicht durch dicht besiedeltes Gebiet spazieren und schon gar nicht durch Duisburg. Wir haben hier schon genug Strahlenbelastung.

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