Ein Zeugnis von Hilflosigkeit und Fracksausen – der sogenannte Kompromiss zum Endlagersuchgesetz

Wenn es nicht so traurig und beschämend wär, könnte man es fast schon wieder Slapstick nennen. Da zanken sich die Landesfürsten um „gerechte Verteilung von Lasten“. Es geht um nicht mehr oder weniger als um die Frage, in welchen Bundesländern Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll aus Sellafield und La Hague zwischen gelagert werden sollen. Und weil man sich aus wahlkampftaktischen Gründen nicht einig wird, verkauft uns unsere sogenannte umweltpolitische Elite einen sogenannten Kompromiss zum sogenannten Endlagersuchgesetz als großen Wurf. Und nun hofft man, den vollkommen missratenen Start zum Gesetzgebungsverfahren in Sachen Endlagersuche wieder gerade biegen zu können. Bei dem Kompromiss handelt es sich aber nur um tumbes Zeitspiel. Wie dumm ist das denn schon wieder?

Also wenn die Herrschaften tatsächlich glauben, durch taktisches Geplänkel das Thema Endlagersuche aus den Wahlkämpfen heraus zu halten, dann sei denen mal ins Programm geschrieben, dass die Halbwertszeiten von Atommüll noch einige Tausend Wahlen versauen werden. Und im Januar 2014 wird die ganze Chose wieder von vorne losgehen. Na super! Also nichts Neues zum dem konzeptionslosen Atommülldebakel, welches wir seit Jahrzehnten erleben. Einfach mal anfangen mit blindem Aktionismus und die Grundlage von all dem erst mal vertagen. Alles auf Sand gebaut. So wurde Atomkraft überhaupt erst möglich – und so belügt man sich immer noch. Wir sind es satt, uns anhören zu müssen, dass morgen ja alles geklärt werden kann. Wer da den Junkie winseln hört „Morgen hör ich auf – nur noch den einen Schuss“ hat wohl mehr Realitätsnähe, als all die Gestalten aus der Politik, die diesen Unsinn verzapft haben.

Daneben geht der Treppenwitz der Castor-Geschichte ja fast schon unter: Das, was Abertausende von engagierten Atomkraftgegner_innen in all ihren Blockadeaktionen nicht wirklich geschafft haben, nämlich den Transport von Castoren zu blockieren, wird – das ist nach dem Geplänkel der letzten Tage schon mal absehbar – ausgerechnet von Schwarz-Gelben Regierungskreisen realisiert. Kein Castor nirgendwohin. Applaus, Applaus, Applaus!

Aber jetzt mal in Ernst: Wenn die sich schon wegen der Zwischenlagerung von ein paar Castoren so dermaßen blamieren, wie soll dann die Endlagerung von hunderten von Castoren funktionieren. Wie wäre es, wenn man den Wahrheiten endlich mal ins Auge blickt: Die Technik und die Folgen dieser Technik sind für so kleine Geister wie den Menschen im Allgemeinen nicht beherrschbar. Das übersteigt unseren Horizont. Also ist das Gebot der Stunde die Schadensbegrenzung und das heißt: Keine weitere Produktion von Atommüll mehr – und zwar angefangen bei der Brennelemente-Herstellung bis hin zum Betrieb von Atomkraftwerken und allen anderen Gelegenheiten, wo uns dieses Zeug nur Ärger bereitet. Und das was dann kommt, wird ohnehin noch schwierig genug.

Wenn Strahlung Intelligenz erzeugte, dann hätte ich ja noch ein wenig Hoffnung …

Michael Zerkübel, freischaffende atomkraftgegnerInnen moers

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