GNS – Die Atomfabrik mitten in Duisburg

Die GNS betreibt seit 1985 in Duisburg eine Anlage zur Verarbeitung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus kerntechnischen Anlagen in ganz Deutschland. Die Anlage befindet sich mitten in Wanheim-Angerhausen auf der Richard-Seiffert-Straße. cropped-cropped-GNS-Zeichnung1.jpg

Was passiert hier eigentlich?

In Duisburg werden schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus ganz Deutschland für eine Endlagerung vorbereitet („konditioniert“). Hierzu wird der Atommüll in seinem Volumen verkleinert (geschreddert, gepresst usw.) und in Fässer verpackt. Ein Endlager allerdings
gibt es nicht. So werden die Fässer erst einmal zwischen gelagert, z.B. in Ahaus.

atommuellfass3Ein anderer Teil des Atommülls soll von radioaktiven Anhaftungen befreit („freigemessen“) werden. Hierzu wird gesandstrahlt, geputzt und gereinigt. Radioaktivität verschwindet damit aber nicht aus der Welt, sondern findet sich in den Reinigungsmitteln wieder. Dies wird dann wieder in die Fässer gepackt. Die Strahlungsintensität freigemessener“ Abfälle ist so gering, dass bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. „Freigemessener“ metallischer Atommüll wird übrigens in Krefeld bei der Firma Siempelkamp weiter verarbeitet. Hier werden z. B. Rohre für Atomkraftwerke oder Bauteile für Castoren (Transportbehälter für Atommüll) hergestellt. Nicht wiederverwendbarer Atommüll landet auch auf Mülldeponien.

Insgesamt dürfen in Duisburg bis zu 3.300 Tonnen Atommüll konditioniert bzw. freigemessen werden. Die Verweildauer beträgt 2 – 4 Jahre.

Was ist daran zu kritisieren?

Jeder Umgang mit radioaktiven Materialien setzt Strahlung frei. Sie ist auch in kleinsten Mengen für Mensch und Umwelt schädlich! Die Betreiber beschwichtigen: Sie verweisen auf Sicherheitseinrichtungen (z. B. Hochleistungsfilter), die verhindern sollen, dass Radioaktivität in die Umwelt entweicht. Und man beruft sich darauf, dass seit Inbetriebnahme der Anlage keine Überschreitung des Grenzwertes am äußeren Zaun(!) des Werksgeländes gemessen worden sei. Aber zu behaupten, dass alles problemlos sei, ist Augenwischerei.

Wann genau entsprechende Messungen vorgenommen wurden, welche aktuellen Umwelt- und Wettereinflüsse eine Rolle gespielt haben mögen, inwiefern Messungen wirklich unabhängig durchgeführt worden sind, ist jedenfalls nicht bekannt.
Und besonders wichtig: Grenzwerte gaukeln nur eine Sicherheit vor, die es bei Atommüll nicht gibt! Die Belege, dass auch Niedrigstrahlung für den Menschen wesentlich riskanter ist, als bisher angenommen, mehren sich.

in Duisburg 03Die Frage nach dem Risiko stellt sich einmal mehr bei den Transporten. Unfälle im Straßen- und Bahnverkehr sind Alltag. Sollte hiervon ein Atommüll-Transport nach Duisburg betroffen sein, entsteht möglicherweise in dicht besiedeltem Gebiet eine nicht mehr beherrschbare Situation.

Die Transportrouten verlaufen quer durch Duisburg, vorbei an Wohnhäusern, Kindergärten, Schulen, Supermärkten usw. Wann transportiert wird, wissen nur die Aufsichtsbehörden, sonst niemand. Weder die Öffentlichkeit, noch der Zivilschutz (z. B. Feuerwehr) erfahren von diesen Transporten. Kommt es zu einem Unfall, kann die Feuerwehr nicht unmittelbar darauf reagieren! Hier wird Sicherheit für Mensch und Umwelt zugunsten der Profitinteressen der GNS zurückgestellt.

Welche Bedeutung hat die GNS im deutschen Atomkarussel?

Die GNS ist ein Gemeinschaftsunternehmen der großen vier Energiekonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall. Zu ihren Tätigkeiten zählen neben der Konditionierung von Atommüll auch Stilllegung und Rückbau kerntechnischer Anlagen, der Bau von Atommüllbehältern (Castoren) und schließlich die Lagerung von Atommüll. Der bekannteste Standort dürfte Gorleben sein.

Diese Monopolstellung der GNS führt dazu, dass hierzulande schwach- und mittelradioaktiver Atommüll regelrecht verschoben wird. Während hochradioaktive Abfälle und damit gerade mal 5 % des Atommülls bis zur (utopischen!) Endlagerung in den Atomkraftwerken verbleiben sollen, gilt dies für die restlichen 95 % nicht. Und es ist gerade dieser Atommüll, der in Duisburg verarbeitet wird. Für den gibt es ebensowenig ein
Endlager wie für hochradioaktive Abfälle!

Daran wird sich nichts ändern. Dieser ständige Entsorgungsnotstand führt dazu, dass der Atommüll in einen Kreislauf geschickt wird: von einer Zwischenlösung zur nächsten. Das ist keine Endlagerung, das ist PseudoEntsorgung. Und die funktioniert nur zu dem Preis, dass unzählige riskante Transporte stattfinden. Die GNS in Duisburg ist ein wichtiges Glied in dieser Kette des Verschiebens von Atommüll.

Inzwatommuellfass3ischen hat die GNS angekündigt, ihre Anlage in Duisburg im Jahr 2022 zu schließen. Anschließend soll alles demontiert werden, sodass für Duisburg nach derzeitiger Planung noch bis ca. 2025 diese Risiken bestehen.

Als Grund für die Schließung gibt man an, dass es betriebswirtschaftlich geboten sei, die Konditionierung des Atommülls dort vorzunehmen, wo er entsteht, also in den Atomkraftwerken. Wenn man dieser Logik folgt, dann kann die Anlage in Duisburg auch früher geschlossen werden – am besten sofort. Aber solange sie in Betrieb ist, kann
auch wieder eine Laufzeitverlängerung beschlossen werden. Ausstiege aus dem Ausstieg sind nichts Unbekanntes. Erst wenn tatsächlich die letzte Müllpresse aus Duisburg verschwunden ist und auch das letzte Atommüllfass verladen wurde, kann Entwarnung gegeben werden.

Wir fordern deshalb: Schluss mit diesem Irrsinn! Stilllegung aller Atomanlagen WELTWEIT. Stilllegung der GNS in Duisburg – SOFORT!