„Ich bin der Tod geworden, der Zerstörer der Welten.“

Diese Worte äußerte Robert Oppenheimer, der als Vater der Atombombe gilt. Er sagte dies im Jahre 1965, als er zu seinen Gedanken zum ersten Atombombentest der Geschichte am 16. Juli 1945 befragt wurde.

21 Tage später, am 6. August 1945 zündet die erste militärisch eingesetzte Atombombe über Hiroshima. Weitere drei Tage später fällt eine zweite Atombombe auf Nagasaki.

Es sterben infolge dieser beiden Atombombenabwürfe 126.000 Menschen sofort. Weitere 90.000 sterben an den Langzeitfolgen einen zum Teil quälenden Strahlentod.

Robert Oppenheimer erhält 1946 die „Medal for Merit“ – die höchste Auszeichnung, die die USA an Zivilisten vergeben.

Was in den Geschichtsbüchern über Oppenheimer nur an zweiter Stelle steht, ist der Umstand, dass er sich fortan dafür einsetzt, das von ihm entfesselte atomare Feuer einzuschränken. Er wird wegen seiner zunehmend kritischen Einstellung als kommunistischer Dissident in der McCarthy-Ära verfolgt. Dabei hat er nur als einer der ersten erkannt, dass die Atombombe unsägliches Leid über die Menschen bringt und ihr Einsatz durch nichts zu rechtfertigen ist und zwar schon an besagtem 16. Juli 1945. Den Lauf der Geschichte indes kann er nicht mehr aufhalten, denn die Betonköpfe bei den Militärs haben da schon längst die Oberhand gewonnen: zuerst in den USA, dann in der Sowjetunion, später in China, England, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und wer weiß wo sonst noch.

Der Rest ist Geschichte, die bis heute noch anhält. Es gab ein Wettrüsten, in dem die Atommächte sich ein ums andere Mal bei der Wirkung ihrer Tod und Zerstörung bringenden Waffen übertroffen haben.

Rücksichten auf die Menschen, die direkt unter der Vielzahl über- und unterirdischer Atombombentests zu leiden hatten, wurde dabei nie genommen. Ganze Bevölkerungsgruppen mussten ihre Heimat verlassen – z. B. in den Inselwelten des Südpazifiks. Ganze Bevölkerungsgruppen wurden mehr oder weniger bewusst der Strahlung dieser Tests ausgesetzt und hatten hierunter fürchterlich zu leiden.

Tod und Zerstörung haben mit den beiden Atombombenabwürfen über Japan im August 1945, vor 70 Jahren, erst begonnen.

Nicht nur die direkt von den Atombombentests Betroffenen hatten unter den Folgen zu leiden. Ionisierende Strahlung wurde freigesetzt und hat sich über die ganze Welt verteilt.

Tod und Zerstörung haben mit den beiden Atombombenabwürfen über Japan im August 1945, vor 70 Jahren, erst begonnen und betreffen heute die ganze Welt.

Das atomare Wettrüsten führte dazu, dass das Atomwaffenarsenal ausgereicht hätte, unseren Planeten 40 mal zu zerstören. Der Begriff „Overkill“ – frei übersetzt „Übertötungskapazität“ – ist an technokratischem Zynismus kaum noch zu überbieten. Als wenn es nicht schlimm genug wäre, einen Tod zu sterben. Warum müssen es denn gleich 40 Tode sein? Uta Ranke-Heinemann, eine bekannte Theologin, Friedensaktivistin und Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten, stellte hier einmal die ebenso treffende wie zynische Frage, woher man denn die 100 Mrd. Menschen nehmen solle, für deren Ermordung das Atomwaffenarsenal ausreiche.

Als man vor ungefähr 40 Jahren begriffen hat, dass die Menschheit ihrem sicheren Untergang entgegentaumelt, wenn dem Wettrüsten kein Einhalt geboten wird, keimte Hoffnung. Es dauerte zwar von Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bis weit in die 90er Jahre, bis die Übertötungskapazität reduziert wurde. Aber eine Entwarnung kann deswegen immer noch nicht gegeben werden.

Stattdessen werden nämlich die verbliebenen Atomwaffen in ihrer todbringenden Wirkung immer effektiver. Selbst heute, zu dieser Stunde, werden die in Deutschland lagernden Atomwaffen – wie es ebenso zynisch heißt – modernisiert. Die lagern übrigens in Büchel, nahe Cochem an der Mosel, 150 KM Luftlinie vom Niederrhein.

Und aus den Labors der modernen Oppenheimers kommen immer neuere Varianten des atomaren Todes: In den Kriegen der letzten zwei Jahrzehnte wurden massenhaft uranhaltige Geschosse eingesetzt. Bei deren Einsatz entsteht zwar kein Atompilz. Aber als panzerbrechende Waffen scheinen sie den Betonköpfen bei den Militärs unverzichtbar. In ihren Langzeitfolgen stehen sie den Atombomben nur unwesentlich nach.

Im Jugoslawienkrieg, im Irak und in Afghanistan wurden ganze Landstriche mit Uran radioaktiv verseucht. Bis diese Landstriche wieder ohne Gefahr betreten werden können, muss unsere Erde mehrfach ihr eigenes Zeitalter wiederholen. Bei einer Halbwertzeit von 4,5 Mrd. Jahren ist die Strahlung erst dann um die Hälfte abgeklungen, wenn unsere Erde doppelt so alt ist wie heute. Aber eben nur um die Hälfte, also bei weiten nicht genug.

Tod und Zerstörung haben mit den beiden Atombombenabwürfen über Japan im August 1945, vor 70 Jahren, erst begonnen. Und das Ende wird erst außerhalb unserer Vorstellungskraft liegen.

Da die Betonköpfe bei den Militärs schon wieder glauben, Kriege seien führbar, weil man sich tatsächlich einredet, es gäbe einen Gewinner, da wird auch schon wieder in den Atomlabors an der nächsten tödlichen Generation der Atomwaffen gebastelt. Die Konflikte z. B. in der Ukraine befeuern diesen Irrsinn. Wir sind damit hier und heute der atomaren Bedrohung näher als wir glauben. Hiroshima und Nagasaki sind nicht etwa Geschichte. Hiroshima und Nagasaki sind Gegenwart.

Hört auf die Atome zu spalten. Das bringt der Menschheit nichts Gutes. Es gibt keine zivile Nutzung der Atomenergie, denn sie ist untrennbar mit der militärischen verbunden. Atomenergie ist nicht beherrschbar, Atomwaffen stiften Unheil in einem Maße, welches wir uns nicht vorstellen können.

Es gibt nur eine Lösung: Ächtung der Atomkraft in all ihren Varianten. Ausstieg und Ende – ein für alle mal.

Redebeitrag von Michael Zerkübel bei der Mahnwache des Friedensforum Duisburg zum 70. Gedenktag der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki

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