Klimaretter Atomkraft?

Die Nuklearindustrie und ihre Verbündeten versuchen rund um die COP 25 und die drohende Klimakatastrophe, diese riskanteste Form der Energieerzeugung schönzureden.

Angeblich lassen sich ja die Klimaziele mit einem Ausstieg vom Ausstieg, mit dem Weiterbetrieb und natürlich auch mit dem Neubau von AKWs viiiiel leichter erreichen, weil diese AKWs ja angeblich CO2-frei seien. Das Europaparlament glaubt den Einflüsterungen bereits und hat im November Atomkraft als Klimaretter bezeichnet. Dieser Änderung stimmten 38 deutsche Parlamentarier*innen von CDU/CSU, FDP und AfD zu.

Aber das Gegenteil ist richtig: der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke bremst die Energiewende. Deutschland könnte seinen Energiebedarf schon heute komplett ohne AKW decken!

Bereits im August 2013 hat das Umweltinstitut einen Faktencheck veröffentlicht, in dem die unsinnigen Behauptungen der Atomlobby zerpflückt werden. Die Behauptung, Atomenergie rette das Klima, entbehrt jeglicher Grundlage, denn:

  • Atomenergie führt ein Nischendasein – alle AKWs auf der Erde decken derzeit nur rund 2 Prozent des weltweiten Energie- und rd. 10 Prozent des Strombedarfs.
  • Neue AKW sind unwirtschaftlich – die Kosten für den Bau von AKWs haben sich vervielfacht. Der Bau des frz. AKW Flamanville kostet derzeit rd. 6 Milliarden Euro und der finnische Reaktor Olkiluoto-3 weit über 8 Mrd.!  Und die Fertigstellung bei letzterem wird seit 2009 immer wieder verschoben (jetzt soll es angeblich 2020 soweit sein). Nur da, wo die Atomindustrie staatlich ist oder extrem subventioniert wird sowie in Diktaturen werden überhaupt noch neue AKWs gebaut.
  • Das CO2-Einsparpotenzial ist viel zu gering – gerne vergessen werden der Abbau und alle die Fertigungsschritte, die aus dem Uranerz erst Brennelemente machen. Außerdem unterschlagen werden alle Emissionen, die durch die Behandlung und Lagerung der Abfälle  und den Abriß der Atomkraftwerke entstehen. Und was die CO2-Emissionen angeht, die durchr die „Endlagerung“ entsehen – die kann man heute noch kaum schätzen.
  • Versorgungssicherheit ist nicht gewährleistet: Uran wird knapp und würde für alle die erträumten neuen AKWs gar nicht reichen.
  • Von den technischen, logistischen und finanziellen Risiken einer „Endlagerung“ will ich hier gar nicht reden. Allein in Europa werden derzeit mehr als 60.000 Tonnen abgebrannte Brennelemente in mehr oder weniger unsicheren Zwischenlagern gesammelt. Insgesamt sind bisher über 2,5 Millionen Kubikmeter radioaktive Abfälle zusammengekommen, und über ihre gesamte Lebensdauer hinweg werden es rd. 6,6 Mill. Kubikmeter sein. Ein funktionierendes Endlager dagegen ist noch nirgendwo in Sicht!

Auch 2019 sind diese und weitere Fakten noch richtig. Atomkraft ist extrem gefährlich und teuer. Für den Klimawandel brauchen wir sie nicht, sondern einen raschen und politisch unterstützten Ausbau der Erneuerbaren, mehr Energieeffizienz und generell ein weitsichtigeres Wirtschaften jenseits der turbokapitalistischen Wachstumspfade.

Quellen:
https://atomkraftwerkeplag.wikia.org/de/wiki/Atomausstiegselbermachen_Wiki

https://www.ausgestrahlt.de/informieren/energiewende/

http://www.umweltinstitut.org/themen/radioaktivitaet/klimaretter-atomkraft/hintergrundinformationen.html

https://www.boell.de/sites/default/files/2019-11/WNWR_title_picture.pngWorld Nuclear Waste Report Europe

 

Dieser Beitrag wurde unter Atomausstieg, Energiewende abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.