Neues zu den Gorleben-Fässern oder: Was das Altern dieser Fässer bedeutet … Und: Wie sich die Atomindustrie mal wieder aus der Verantwortung stiehlt …

Statue St. Castor, Treis-Karden, Mosel. Foto: M. BoslarWir haben schon schon mehrfach berichtet, dass in Gorleben insgesamt 1307 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen nach und nach abtransportiert werden und zumindest teilweise nach Duisburg kommen. Bei der Bereitstellung der Transporte sind etliche Uralt-Fässer mit Korrosionsschäden aufgetaucht – eines weist sogar merkwürdige Ausblühungen auf. Von diesen Fässern sind in Duisburg bislang 347 angekommen. Transportiert werden immer drei Container, in denen sich entweder 41 oder 42 Fässer mit einem Fassungsvermögen von 400 Litern befinden oder es sind 80 Fässer mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern unterwegs. Das Lager in Gorleben muss wegen Auslaufens der Genehmigung bis zum 13. Juni 2019 geräumt werden, da die auf 20 Jahre befristet war. Wahrscheinlich hat man auf den Schacht Konrad gehofft, wo man den schwach- und mittelradioaktiven Abfall verbuddeln wollte. Das klappt bekanntermaßen nicht.

Es gab inzwischen mehrfache Rückfragen an die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) nach dem Stand der Dinge und was da noch alles auf uns zukommt. Erstmal ist ja interessant, wie der Abtransport der Gorleben-Fässer bis 2019 in Einklang zu bringen ist mit der Stilllegungsabsicht.

Hierzu heißt es, dass die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) an ihren Stilllegungsplänen für die Anlage in Duisburg festhält. Man habe inzwischen begonnen, Teile der Anlage in Duisburg abzubauen, aber es ist nach wie vor möglich, in Duisburg Atommüll zu konditionieren. Man bleibt also dabei: 2019 soll Schluss sein mit dem Kapitel „Atommüll in Duisburg“. Das ist sicherlich die gute Nachricht.

Andererseits bedeutet dies, dass ein Teil der Gorleben-Fässer nach Jülich kommt, weil man auch dort die technischen Möglichkeiten zur Konditionierung habe. Das wiederum bedeutet eine Vielzahl von riskanten Transporten nach Duisburg und dann an Duisburg vorbei. Das ist der weniger gute Teil der Nachricht, denn die mehr als 30jährige Irrfahrt dieser Fässer geht weiter. Sie bleiben nicht in Gorleben, sie bleiben nicht in Duisburg, sie bleiben nicht in Jülich. Es ist die Rede davon, dass diese Fässer dann nach Ahaus sollen. Aber auch dort werden sie nicht bleiben können.

Immer noch hofft man auf das „Endlager Schacht Konrad“ und diese Hoffnung scheint trotz der inzwischen eindeutigen Rückschläge einfach nicht sterben zu wollen. Schacht Konrad ist der einzige und letzte Strohhalm der Atomindustrie und man klammert sich trotzig an diesen. Derweil geht die Odyssee der Fässer immer weiter und weiter und weiter.

Fazit: Das Problem mit den schwach- und mittelradioaktiven Abfällen ist genau so wenig lösbar, wie das der hochradioaktiven Abfälle. Das ist die ganz schlechte, aber nun wirklich nicht neue Nachricht. Nicht umsonst sagen wir seit Jahrzehnten: „Solange die Verantwortlichen aus Atomindustrie, Politik und Verwaltung keine Idee haben, wie mit dem Müll umzugehen ist, sollen sie erstens keinen weiteren produzieren (lassen) und zweitens den schon vorhandenen Müll da lassen wo er ist – NIX REIN, NIX RAUS! Man könnte die Fässer auch gleich in Gorleben stehen lassen (und vor Ort reparieren).

Es gibt trotzdem noch eine halbwegs gute Nachricht: Unsere Freunde von der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg (das sind die, die sich seit Jahrzehnten mit beachtlichen Ergebnissen mit dem Endlagerplänen in Gorleben herumschlagen) haben sich eingeschaltet, machen Druck.

Einer ihrer Fragen an die GNS lautete: „Wenn die Fässer angerostet sind oder anderweitig Schäden aufweisen, warum transportiert man die dann noch? Wäre es nicht angebracht, diese maroden Fässer an Ort und Stelle, also im Fasslager Gorleben, zu lassen und dort zu konditionieren?“ (DANKE, das zeugt von politischer Reife. Schließlich könnte man ja auch zuwarten bis sich das Gorlebener Problem zu einem Duisburger, Jülicher, Ahauser … Problem gewandelt hat. Aber die Antiatom-Bewegung handelt nicht nach dem St.-Florians-Prinzip, sondern bleibt bei dem Standpunkt NIX REIN, NIX RAUS!)

Die Antwort der GNS auf diese Frage klingt dann leider etwas lapidar: „Es gibt für diese Arbeiten in Gorleben keine Genehmigung.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist die Beantragung der nötigen Genehmigungen etwa zu zeit- oder kostenintensiv? Schafft man deshalb lieber marode Fässer quer durch die Republik nach Duisburg und später nach Jülich und noch später nach Ahaus …?

Was das Altern dieser Fässer bedeutet …

Wir hätten da eine klare Meinung: Was die Zeit angeht, werden die Verantwortlichen ohnehin noch ihr blaues Wunder erleben. Wie die Gorleben-Fässer zeigen, muss man sich bei der GNS wohl mal langsam Gedanken zu einem Alterungsmanagement machen. Die Gorleben-Fässer zerbröseln, weil niemand im Traum daran gedacht hat, dass die mal 40 Jahre und länger durchhalten müssen. Und um es auch jetzt schon mal zu sagen: Auch die Castoren werden bröseln, weil niemand im Traum daran gedacht hat, dass wir (wenn überhaupt) frühestens in 60, 80 oder 100 Jahren so etwas wie ein Langzeitlager haben könnten. So lange halten die Dinger einfach nicht. Was die Zeit angeht, könnte man sich bei der GNS schon mal um alle erdenklichen Genehmigungen kümmern. Man wird sie brauchen.
Und was das Geld angeht: Die Industrie hat Milliarden gescheffelt und jetzt kommt eben die Quittung.

Wie sich die Atomindustrie mal wieder aus der Verantwortung stiehlt …

Aber die Atom-Industrie hat es ja jüngst wieder einmal geschafft, sich diese lästigen Kosten vom Hals zu halten und dem Steuerzahler aufs Auge zu drücken – zumindest, was die hochradioaktiven Abfälle betrifft. Am 19.10.16 wurde das „Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung“ beschlossen – ein mieser Ablasshandel zugunsten der Atomindustrie.

Man halte sich das vor Augen: Die Atomkonzerne drücken 23,5 Mrd. Euro ab und sind mit der Entsorgung ihres Atommülls aus dem Schneider. Die Politik hat sich mal wieder mächtig über den Tisch ziehen lassen. Zum einen hat man sich vom Verursacherprinzip verabschiedet: Es haftet nicht mehr derjenige, der den Atommüll produziert hat, sondern der Steuerzahler. Dann ist es zudem eine bodenlose Frechheit, dass das Ministerium den Umweltverbänden und anderen Organisationen nur fünf Tage Zeit – Wochenende inklusive ! – eingeräumt hat, um Stellungnahmen zum Gesetzentwurf zu verfassen. Das zeigt, wie ernstgemeint die Erklärungen zu „gesellschaftlichem Konsens, Transparenz“ usw. gemeint sind. Diese Erklärungen können gleich mit in die Fässer und Castoren gelegt werden.

Und 23,5 Mrd. Euro sind eine lächerlich geringe Summe, denn die werden niemals ausreichen, um einen halbwegs verantwortlichen Umgang mit dem Müll zu finden. Und da ist nicht einmal eingerechnet, dass die Behälter – ob Fässer oder Castoren – immer mehr zerbröseln und zukünftig immense Kosten verursachen werden. Die Gorleben-Fässer stellen da gerade mal den Anfang dar. Es ist ja nicht gerade billig, 1307 Fässer von Gorleben nach Jülich, nach Ahaus nach sonst wohin zu transportieren, zwischendurch mal zu reparieren oder umzufüllen.
Und in der Warteschleife sind noch etliche weitere tausend Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall. Und es sind noch knapp 2000 Castoren, die vor sich hin altern. Das werden in den kommenden Jahrzehnten alles Pflegefälle und wie immer gibt es nicht einmal den Ansatz eines Konzeptes, wie diese Pflege aussehen könnte.

Der atomare Irrsinn treibt nach wie vor sein Unwesen. Es gibt noch viel zu tun.

Mehr Informationen zu dem beschlossenen Gesetzespaket gibt’s beim Umweltinstitut München. Das Umweltinstitut hat zusammen mit .ausgestrahlt auch eine Stellungnahme abgegeben.

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