Urenco-Uranmülltransport während der Corona-Pandemie?

Guten Abend,

wir hoffen, euch allen geht es auch an diesem Corona-Home-Sonntag gut. Urenco hält uns jedenfalls gut auf Trab. Von SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster erreicht uns folgende Nachricht:

Urenco nimmt noch immer Kurs auf den Uranmülltransport am Montag von der UAA Gronau quer durch NRW via Amsterdam nach Russland. Die zeigen überhaupt kein Einsehen – Corona, Umweltschutz und Grundrechte interessieren den Uranladen nicht die Bohne. Aus deren Sicht ist es wahrscheinlich toll, dass die Menschen mit anderen Dingen beschäftigt sind.

ABER: Es regt sich trotzdem immer mehr Kritik und auch die Medien berichten durchaus. Außerdem gibt es weitere Protestanmeldungen und dazu ein erstes Gerichtsverfahren.

Die Stadt Münster hat sich nun offen gegen die Urenco-Transporte gestellt. Der Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer hat schriftlich von Urenco die Aussetzung der Urantransporte während der Corona-Pandemie verlangt – und vertritt dies auch öffentlich der Presse gegenüber – das ist ein Novum.

Die Klage von SOFA Münster vor dem Verwaltungsgericht Münster hat die Stadt Münster zum Einlenken bewogen. Das heißt, die angemeldete Versammlung gegen den morgigen Uranmülltransport findet wie geplant am morgigen Montag, 6.4. ab 11 Uhr statt! Das pauschale Versammlungsverbot wurde erfolgreich gekippt!

Die Auflagen zeigen aber, wie restriktiv die Lage momentan ist: Menschen mit Husten oder Fieber dürfen nicht teilnehmen, wer nicht in „häuslicher Gemeinschaft“ lebt, muss mindestens 1,50 m Abstand von den Nachbarn halten, Flugis verteilen ist nicht erlaubt. … aber es gibt auch einen Fun-Faktor: Alle TeilnehmerInnen sind offiziell verpflichtet, sich zu vermummen, also „Mund und Nase mit einer Maske zu bedecken“. Das hat es so noch nicht gegeben.

In der jetzigen Situation sehen die AktivistInnen das Einlenken der Stadt Münster als positives Zeichen, denn die nunmehr erfolgreiche Versammlungsanmeldung sollte auch andernorts Mut machen, sich nicht einschüchtern zu lassen oder sich zu Hause einschnüren zu lassen. Die News aus anderen Städten zum Versammlungsrecht sind dagegen oft schlimm in diesen Tagen. Gestern wurde im Wendland z. B. eine Soli-Versammlung mit 20 Leuten für Flüchtlinge von einem Großaufgebot der Polizei rüde aufgelöst.

Also: Morgen wird auf jeden Fall gegen den Uranmülltransport nach Russland demonstriert – auch in Gronau läuft gerade eine Versammlungsanmeldung. Aber Urenco will halt mit dem Kopf durch die Wand und wird derzeit weiterhin von Bund und Land gedeckt. Das Uranschiff Mikhail Dudin liegt derzeit vor der südenglischen Küste für das Wochenende in Wartestellung.

Hinweis: Wie sich die neue Versammlungslage auf die Transportpläne von Urenco und Polizei auswirkt, können wir natürlich nicht beurteilen. Es kann nun am Fahrplan in letzter Minute noch Änderungen geben, um den Versammlungszeiten auszuweichen – das ist letzten Dezember auch schon einmal passiert, als am Montag 13 Mahnwachen quer durch NRW angemeldet waren. Dann fuhr der Zug erst am Dienstag – und wurde trotzdem durch eine Abseilaktion gestoppt.

Haltet euch auf dem Laufenden – wie sehr die Infos morgen immer zeitnah upgedatet werden können, wird sich zeigen. Schaut auch bei sofa-ms.de oder urantransport.de und auf Twitter vorbei.

Die Bahnstrecke von Gronau durch Ochtrup, Metelen, Burgsteinfurt, Borghorst, Nordwalde, Altenberge, Münster, Hiltrup, Drensteinfurt, Hamm und dann weiter über Unna oder Lünen durch das Ruhrgebiet nach Duisburg, Mönchengladbach/Viersen und Venlo Richtung Amsterdam ist sehr lang für spontane Proteste. Diese hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben.

Der Ablauf bei den letzten Transporten war wie folgt: Die Transportlok fährt gegen 8.15 Uhr von MS-Zentrum Nord über die Bahnstrecke via Steinfurt und Ochtrup zur UAA – Ankunft dort gegen 9.30 Uhr. Dann wird gekoppelt und Abfahrt ist entweder kurz nach 11 oder kurz nach 12 – zeitliche Überraschungen sind aber nie auszuschließen.

Übrigens gibt es seit Freitag immer mehr Presse – bis zur taz und Süddeutschen Zeitung inzwischen. Von Geheimhaltung ist für Urenco also keine Rede mehr. Urenco, Bundes- und Landesregierung sollten den unverantwortlichen Uranmüllexport einfach absagen!

Atomfreie Grüße und bleibt gesund

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