Was wird tatsächlich aus dem Jülicher Atommüll?

Derzeit verdichten sich die Informationen über die eventuelle Verbringung der 152 Jülicher Castoren in die USA. Inzwischen bringt die Bundesregierung sogar die Option ins Spiel,  über 300 weitere Castoren aus der gescheiterten THTR-Anlage Hamm-Uentrop ebenfalls in die USA zu bringen! Das geht aus einer Studie, die das US-Umweltministerium (DOE) in Auftrag gegeben hat, hervor.

Anfang Januar wurde das Aktionsbündnis STOP Westcastor von der Bürgerinitiative Savannah River Site Watch (SRS Watch) aus South Carolina darüber informiert, dass das DOE sich inzwischen wohl bereit erklärt hat, den hoch verstrahlten Atommüll aus dem Betrieb des Jülicher AVR Versuchsreaktors aufzunehmen.
Für dieser Bereitschaft setzte die amerikanische Institution allerdings beträchtliche finanzielle Vorleistungen durch die Bundesrepublik voraus!

Wiederaufarbeitung der Jülicher Brennelemente ist inakzeptabel!

Um eine in South Carolina geplante Pilotanlage zur Demonstration der Machbarkeit der Wiederaufarbeitung für bestrahlte Kugeln realisieren zu können, müsste – sobald eine solche Anlage geplant, genehmigt und errichtet wäre – vermutlich ein Castor zum Testen in die USA geschickt werden. Dann käme der heiße Testlauf mit Optimierungen, Auswertungen und schließlich eine Entscheidung des DOE zur Übernahme der Castoren auf der Basis der Ergebnisse der Pilotanlage.
Für Planung und Bau einer entsprechende Pilotanlage in Deutschland würde man etwa sechs bis acht Jahre benötigen, bei Kosten oberhalb von 100 Mio €!

Stecken ganz andere Gründe hinter dem Export?

Ein weiterer Aspekt, auf den uns Tom Clement von SRS Watch aufmerksam gemacht hatte, verdient ebenfalls Beachtung: Neuerdings wird die US- Kugelhaufenreaktorfirma X-energy vom DOE unterstützt. In dieser Firma sind auch ehemalige Mitarbeiter aus dem Umfeld des Forschungszentrums Jülich (HTR-Forschungsprojekte) beschäftigt. Eine weitere US-Firma, Kriva-Rochem (Chigago), versucht sich ebenfalls mit der Kugelhaufentechnik á la Jülich, unter Beteiligung von drei ehemaligen FZJ-Kugelhaufen-HTR-Entwicklern und mit intensiver Unterstützung aus Saudi-Arabien. Am 26.01.2016 wurde schließlich bekannt, dass China und Saudi-Arabien gemeinsam den Bau von Kugelhaufen-HTR planen. Für zukünftige Kugelhaufen-HTR ist eine Wiederaufarbeitung zur Verminderung der enormen Atommüllmengen dieses Reaktortyps unverzichtbar: Verglichen mit Leichtwasserreaktoren erzeugt der Jülicher Kugelhaufenreaktor nämlich das 40- bis 50-fache Volumen an Brennelement-Atommüll.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Errichtung einer solchen Pilotanlage im vorrangigen Interesse von X-energy und Kriva-Rochem wäre, – selbst wenn DOE sich am Ende gegen eine Übernahme der deutschen Castoren entscheiden würde! Hat die Jülicher Kugelhaufenlobbby vielleicht die Entwicklung einer Wiederaufarbeitung für Atomkugeln den deutschen Politikern als einzig sinnvollen Entsorgungsweg untergeschoben, obwohl es ihnen vorrangig um Fördermittel zur Markteinführung ihres Reaktortyps geht ?

Unsere Option bleibt „Nichts rein, nichts raus!“
Wir fordern, endlich damit zu beginnen, für den Standort Jülich ein modernes Zwischenlager zu errichten.

 

vgl. auch PM des Bündnis gegen Castor-Exporte

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